Definition Auflagemaß

Auflagenmaß = Abstand zwischen dem Auflageflansch des Bajonetts und der Sensorebene (früher: der Filmebene).

Das Auflagemaß definiert, wo das scharfe Licht eines Objektivs in der Kamera auftreffen soll. Der Schärfenring an Objektiven ermöglich das Justieren der Linsen, so dass der Fokuspunkt leicht variiert werden kann. Denn was man auf Film und Foto tatsächlich scharf haben will – die Berge im Hintergrund oder das Model im Vordergrund – ist eine Frage der Komposition und nicht statisch.

Einfache Objektive sind meist so ausgelegt, dass sie erlauben in der Ferne bzw. ab einem bestimmten Abstand möglichst Alles scharf zu stellen (sog. Unendlichkeitsfokus). Dem untergeordnet gibt es je nach Brennweite bestimmte Nahgrenzen, bis zu denen ein Objektiv nur scharf abbilden kann. Bei kleinen Brennweiten (4mm – 50mm) können Objektive meist ab ca. einem Meter scharf abbilden. Bei Telebrennweiten wie z.B. 500mm-Objektiven beginnt die nächste scharfe Zone oft erst nach 6m, teilweise sogar ab 10m. Das ist zumeist kein Problem, da solche Objektive zumeist ohnehin für Abbildungen in größerer Distanz benötigt werden.

Unüblich ist hingegen bei einfachen Kamera-Objektiven, dass Objektive supernah scharf abbilden und dafür nicht unendlich fokussieren können.  Bei Spezialobjektiven gibt es das hingegen durchaus, z.B. bei Mikroskop-Objektiven. Niemand wird ein Mikroskop längs auf den großen Objekthalter legen, damit die Objektive aus dem Fenster zeigen und damit Abbildungen der Umgebung ansehen wollen. Per Design zeigen diese Linsen nach unten auf Objektträger und sind auch für nichts anderes zu gebrauchen, als für die Abbildung des Bereichs einige Millimeter unter sich. Dies allerdings mit immens hohen Abbildungsmaßstäben wie 45:1, 60:1 oder noch größer.

Dieses Thema hat allerdings einen ganz praktischen Hintergrund – die Nutzung günstiger alter Objektive z.B. mit m42-Schraubverschluß und anderen Schätzen an modernen DSLR. Darum im Folgenden einige Zusammenstellungen, die in Foren im Netz oft gefragt werden, Gedankenspiele zur Veranschaulichung. Vorher noch eines:

Haftungsausschluss: Die folgenden Nennungen sind nur eigene Erfahrungen mit meinen Kameras oder Rechercheergebnisse. Bei Ihren Geräten ist ein völlig anderes Verhalten möglich. Hier genannte Adapter können bei Ihnen entgegen meiner Erfahrung doch nicht klappen. Bestimmte Kombinationen von Adapter und Kamera können Ihre Kamera beschädigen! Erkundigen Sie sich vor jedem Einsatz von Adaptern und Fremdobjektiven für Ihr Gerät genau! Jegliche Haftung z.B. für Schäden an Geräten oder für Fehlkäufe wird hier ausgeschlossen.

m42-zu-Canon

Beim Schraubgewindeanschluß m42 hat der Hersteller Pentacon in den 50er Jahren für das Auflagemaß die Länge 45,5mm festgelegt. Damit gilt für alle Objektivhersteller, die m42 bedienen wollen: „macht im Objektiv, was ihr wollt – aber 45,5mm hinter der Kante vom Bajonett/Schraubverschluss muss per Konstruktion eine scharfe Abbildung abgestrahlt werden“. Oder das Objektiv taugt nix/bildet nicht richtig ab.

Bei Canons heutigem EOS-Bajonett (nicht mit dem in 80er Jahren abgelösten FD-Bajonett zu verwechseln – beide sind nämlich nicht kompatibel) ist dieses Auflagenmaß heute 44,0mm lang. Also 1,5mm weniger. Wenn man es nun schafft, in diesen 1,5mm eine Objektivaufnahme wie bei einer Kamera einerseits sowie das Zielbajonett für einen Kamerabody anderseits unterzubringen, dann ist so ein Adapter konstruierbar.

Wie wir wissen – bei Canon EOS geht es. Ungefähr so dick, wie die obigen Zahlen erwarten lassen – 1,5mm – ist der m42-zu-EOS-Adapter auch. Eher ein dicker Blechring als ein Stahlrohr.

m42-zu-mFT (bzw. m42-zu-m4/3)

Das viel kleinere micro Four Third-System (abgekürzt meist mFT oder m4/3) von Panasonic und Olympus (heute) hat nur ein Auflagenmaß von ca. 19,60 mm. Und tatsächlich: der m42-zu-mFT-Adapter ist weniger ein Blech wie bei Canon sondern ein fingerdickes Rohr. Nun kann man sich ausrechnen:

  • 45,5mm Abstand zum Sensor muss die hintere Kante eines m42-Objektivs haben (damit das Licht aus der hinteren Linse ein scharfes Bild auf den Sensor – nicht davor, nicht dahinter – wirft)
  • 20,0mm ist dieses Maß für native mFT-Linsen.

Also: der Adapter muss 45,5 minus 20,0 = 25,5mm Abstand ausgleichen. Schön, wenn sich Mathematik und der Adapter in meinem Schrank so ähnlich sind: Eher ein Stahlrohr als ein Blechring, anders als beim m42-zu-EOS-Adapter.

m42-zu-Nikon F

Das oben hat beides geklappt. Jetzt kommt ein Fall, der nicht richtig klappt – nämlich der, eines größeren Auflagemaßes beim Zielbody als beim Ursprungsgerät eines Objektivs. Warum bringt hier ein Adapter nichts – auch wenn man ihn mechanisch durchaus bauen kann? Der Fall m42-zu-Nikon ist von der Konstellation her derselbe wie Canon FD-zu-Canon EOS, nur mit geringfügig anderen Zahlen.

Nikon hat ein Auflagenmaß von 46mm. Also 0,5mm mehr als m42. Schon ohne Adapter – wenn ich ein m42-Objektiv mit Gewalt in einen Nikon-Body „reinpressdrehe“ (hat ja eine Schraube …), fällt das scharfe Licht zumindest einen halben Millimeter zu weit vorne auf. Auch wenn ich das m42-Objektiv Nikon-mässig befestigt kriege. Es gibt sogar sowas wie ein Bild. Aber ich kann nicht unendlich scharf stellen. Die Lichtebene, wo alles optimal scharf ist, hängt 5 Millimeter vor dem Sensor.

Man kann damit schon etwas machen, z.B. Makro-Aufnahmen. Da habe ich ja ohnehin keine durchgehende Schärfe (bzw. Tiefenschärfe). Sondern: irgendwas ist vielleicht vorne unscharf, dann eine scharfe Ebene, irgendwas dahinter ist wieder unscharf. Beim genannten Beispiel wird bei maximaler Scharfstellung am Objektiv höchstens Zeug, dass rund einen Meter, vielleicht zwei Meter entfernt ist, scharf fokussierbar sein.
Im Kern passiert hier ungewollt dasselbe wie bei Makros: Wenn man näher an ein Objekt ran will, trickst man mit Verlängerungen des Tubus zwischen Sensor und Objektivende (also Verlängerungen des Auflagenmaßes): man montiert Zwischenringe oder Balgen zwischen Objektiv und Kamera. Immer wird der Abstand zwischen Motiv und Frontlinse kleiner, als der Abstand zwischen Frontlinse und Sensor. Im Normalfall (also im nicht-Makrofall) ist es hingegen anders herum:

  • die Frontlinse ist eine Objektivlänge weit weg vom Sensor
  • die Motive hingegen sind meter- oder sogar kilometerweit weg.

Was verloren geht: Unendlich scharf stellen, also wie für Landschaftsaufnahmen, siehe oben. Man müsste jetzt den Schärfenring extrem weit nach außen drehen können. Weiter als es in der Praxis zum Einstellen konstruiert ist. Stattdessen habe ich irgendwann das Ende erreicht, aber die maximale Schärfe liegt immer noch vielleicht einen Meter oder weniger vor mir. Man kommt aber mit der Schärfe nicht über diese Distanz hinaus.

Kurz: Es ist bei diesem Nikon-m42-Beispiel so, als hätte man in eine m42-Kamera mit passendem m42-Objektiv einen Zwischenring von 0,5mm Länge eingeschraubt.

Treiben wir das Gedankenspiel zum Verständnis einfach noch ein Stück weiter. Klappen würde optisch:

  • man feilt 6mm vom m42-Objektiv hinten ab (vom Gehäuse/Bajonett – nicht von den Linsen – wenn die bereits ganz außen liegen, geht es nicht) und
  • befestigt/schraubt/klebt dann ein 1,5mm Nikon-Bajonett aus irgendeinem XY-zu-Nikon-Adapter auf dem Objektiv.

Wenn das bauartbedingt gelingt, ohne das man schon das Glas mitabgefeilt hat, dann würde sogar ein m42er an Nikon montierbar sein und korrekt abbilden. Praktisch sind 6mm recht viel – so tief versenkt ist die hintere Linse meist nicht.

Es gibt aber durchaus Firmen, die für manche hochwertigen Objektive solche Umbauten tatsächlich anbieten. Der Adapterhersteller Leitax beispielsweise. Natürlich für Objektive, bei denen enstprechende Spielräume im Bauraum da sind. Ein altes Pentacon für 19 Euro wird man sicher nicht für einige 100 Euro auf Nikon ummounten lassen.

… und wenn ein Adapter zu kurz wäre?

Wäre der Canon-Blechadapter also z.B. flacher als 1,5mm. Kommt vor, macht nix Schlimmes. Fühlt sich wie folgt an:

  • man hat schon auf unendlich fokussiert …
  • … die ganze nahe und weite Unwelt ist auch schon scharf …
  • … und der Schärfenring dreht sich einfach noch ein Stückchen weiter.

Bringt nix, schadet aber auch nicht wirklich viel. Vermutlich fehlen die Milimeter Umdrehung am Schärfenring, die es hinter zu viel gibt vorne. Also: statt ab z.B. 65cm kann man durch diese Umgenauigkeit in der Konstruktion vielleicht erst ab 68cm Abstand scharfstellen. Ein ähnliches Objektiv eines anderen Anbieters kann das vielleicht per se ohnehin erst ab 1,10. Solche Details sind in der Regel meist nicht kaufentscheidend, von Spezialobjektiven einmal abgesehen.

.. und wenn ein Adapter zu lang ist?

Siehe oben – das ist der wirklich blöde Fall! Wenn Adapter sind zu dick sind, fehlt beim Scharfdrehen der entscheidende Tick um den Fernbereich bis unendlich scharf zu stellen.

Canon FD-zu-Canon EOS

Größenordnung: Beim alten Canon-FD-System war das Auflagenmaß 42mm, bei Canon EOS ist es 44mm, siehe oben. Es fehlen also 2mm. Fehlen wohlgemerkt – nicht: sind übrig. Zwei Möglichkeiten gibt es nun, die die Hersteller auch beide anbieten:

  • Korrigieren: eine teure Linse/Lupe, die das geradezieht, in den Adapter einbauen. Praktisch bislang immer schlecht. Die Linsen sind eher Schreibtischlupen als Objektivlinsen. Andernfalls würde der Adapter eine Art Telekonverter, Co-Objektiv oder auch sehr hochwertiger Filter sein.  Der Zweck ist aber meist: Leute wollen günstige Objektive weiternutzen. Wenn der Adapter nun soviel oder mehr kostet, wie die Differenz vom billigem Objektiv zum Original-EOS-Objektiv ist der Adapter von der Sache her sinnlos. Dann werden die meisten Kunden nicht adaptieren sondern gleich die aktuellen Geräte mit Autofokus etc. kaufen.
  • Nicht korrigieren: den Adapter einfach mechanisch für die Befestigung des FD-Objektivs an der EOS-Kamera konstruieren. Gibt man dem ca. 2mm Dicke (das alte Bajonett hat mit Gegenhaken etwas mehr Raum gebraucht) dann ergeben sich insgesamt: 2mm Differenz Auflagenmaße + 2mm Adapterdicke = 4mm. Ergebnis/Effekt: Scharfstellen endet bei ca. 75cm. Alles von 0 – 75cm Entfernung geht. Alles dahinter ist Bokeh pur.

Eine solche Adaptierung erlaubt also nicht einmal Portraits. Eine Distanz von immerhin einigen Metern könnten viele Anwender vermutlich noch verwinden. Bei unter einem Meter ist der Nutzen aber schon extrem eingeschränkt. Eigentlich ein reines Makro-Objektiv – meist aber ohne dafür ausgelegt zu sein.

2018-05-17T21:44:46+00:00